Vier Fünftel der Deutschen lehnen Agrogentechnik ab

13.07.2018 - „Der Einsatz gentechnisch veränderter Organismen in der Landwirtschaft wird verboten.“ Dieser Aussage stimmten in der Studie Naturbewusstsein 2017 des Bundesumweltministeriums 79 Prozent der 2000 befragten Deutschen zu. „Damit bewegt sich die grundsätzliche Zustimmung für ein Verbot gentechnisch veränderter Organismen seit Jahren relativ stabil auf hohem Niveau“, heißt es in der Studie.

Noch höher war die Unterstützung für zwei weitere Forderungen: 93 Prozent stimmten der Aussage zu: „Meiner Meinung nach sollten Lebensmittel von Tieren, die mit gentechnisch veränderter Nahrung gefüttert wurden, vom Handel gekennzeichnet werden.“ Ebensoviele Befragte vertraten die Meinung „mögliche Auswirkungen auf die Natur sollten immer untersucht werden, wenn Pflanzen gezielt gentechnisch verändert werden.“ Das zeige „die große Bedeutung der Einhaltung des Vorsorgeprinzips in Bezug auf Gentechnik in der Landwirtschaft und deren neuen Anwendungen“, schrieb das Bundesumweltministerium zu diesem Ergebnis. Die hohen Zustimmungsquoten zeigen, dass auch Menschen, die der Agro-Gentechnik eher offen gegenüberstehen, Transparenz und Risikobewertung für unabdingbar halten. „Diese Zahlen sind ein klarer Handlungsauftrag an die EU-Kommission, die Bundesregierung und die Parlamente“, kommentiert VLOG-Geschäftsführer Alexander Hissting die Ergebnisse der Studie: „Sie müssen Vorsorgeprinzip und Wahlfreiheit ernst nehmen und klare, unmissverständliche rechtliche Regelungen für die Verfahren der Neuen Gentechnik und die Kennzeichnung tierischer Produkte erlassen.“

Ihre Ablehnung der Agro-Gentechnik begründeten die meisten Befragten in der Studie mit einem ethischen Argument. 78 Prozent stimmten dem Statement zu: „Der Mensch hat kein Recht, Pflanzen und Tiere gezielt gentechnisch zu verändern.“ Zwei Drittel der Befragten wollen keine gentechnisch veränderten Lebensmittel essen. Die Studie zeigte auch, dass in der Altersgruppe bis 29 Jahre die Ablehnung der Agro-Gentechnik „deutlich geringer ausgeprägt“ ist als im Bevölkerungsdurchschnitt. Außerdem waren Frauen gegenüber Gentechnik insgesamt kritischer eingestellt als Männer. Bemerkenswert fanden es die Autoren der Studie, dass bei der Bewertung der meisten Statements die Bildung der Befragten keine Rolle spielte.

Die Zustimmungsquote bei den einzelnen Statements umfasste immer zwei Kategorien: „sehr wichtig“ und „eher wichtig“ oder „stimme voll und ganz zu“ und „stimme eher zu“. Werden sie getrennt betrachtet, zeigen sich interessante Details: Am höchsten war die volle Zustimmung mit 70 Prozent bei der Forderung, mögliche Auswirkungen auf die Natur immer zu untersuchen. Die Studienautoren leiteten daraus die Empfehlung ab, „dass auch für neue veränderte Pflanzen eine Umweltrisikoprüfung im Rahmen einer Zulassung durchgeführt wird.“

Bei der generellen Ablehnung der Agro-Gentechnik hingegen betrug die volle Zustimmung lediglich 42 Prozent. Gegenüber 2013 entspreche das einen Rückgang von 14 Prozent, heißt es in der Studie. Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass das Thema aus Sicht der Befragten an Stellenwert verloren hat und nicht mehr als so wichtig angesehen wird. Es könnte aber auch signalisieren, dass die entschiedene Ablehnung ein wenig aufweicht. In diese Richtung deutet auch, dass immerhin 40 Prozent der Befragten dem Statement zustimmten: „Ich bin der Meinung, dass Gentechnik in der Landwirtschaft ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung des Welthungers ist“. Das waren neun Prozent mehr als noch vor zwei Jahren. Trotzdem überwog auch bei dieser Position mit 52 Prozent die ablehnende Haltung.

In ihrem Statement zur Präsentation der Studie sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze, sie nehme die Bedenken der Bürger gegenüber der Gentechnik sehr ernst: „Wir brauchen endlich bundesweit einheitliche Regelungen, um den Anbau von Genpflanzen zu verbieten.“

Bundesumweltministerium: Naturbewusstsein 2017

Bundesumweltministerium: Naturbewusstseinsstudie: Deutsche wollen besseren Meeresschutz und keine Genpflanzen (06.07.2018)